Weine genießen – Aroma pur im Glas

Im Jahr 2009 hat jeder Deutsche statistisch 29,2 Liter Wein getrunken. Im Ländervergleich rangiert Deutschland damit immer noch im Mittelfeld, gehört aber bezüglich des Bekanntheitsgrades immer noch zu den Spitzenreitern. Ein Ruf, den Deutschland unter anderem Rebsorten wie dem Riesling, der Scheurebe oder dem Müller-Thurgau verdankt. Und trotz der Tatsache, dass Qualitätswein in 13 Anbaugebieten entsteht, wissen viele Verbraucher nicht, was sich hinter dem Begriff Wein an Vielfalt und Aromen verbirgt. Und auch die Tatsache, dass inzwischen Wein sogar in Schleswig-Holstein angebaut wird, ist nur Kennern bekannt.

Mehr als vergorener Traubensaft

Wein wird heute aus vielen Anlässen getrunken – zum Essen, in geselliger Runde oder als Begleiter zu einer Grillparty im Sommer. Selbst das berühmte Glas Rotwein nach Feierabend hat in einigen Haushalten einen festen Platz. Wie komplex dessen Herstellung sein kann, erschließt sich aber leider nur dem Kenner. Wein ist eigentlich mehr als vergorener Traubensaft – es handelt sich um eine Wissenschaft. Und einige Genießer würden das Winzerhandwerk vielleicht sogar als Kunst bezeichnen.

Denn die Arbeit an einem guten Wein beginnt lange, bevor die ersten Trauben reifen. Winzer sind das ganze Jahr über im Weinberg beschäftigt. Und mit der Lese beginnt die Arbeit im Weinkeller. Denn auch wenn ein erheblicher Teil der Gärung heute in Stahltanks abläuft – die Reifung setzt nach wie vor auf Holz. Was entstehen kann, sind kräftige und würzige Barrique-Weine. Übrigens: Ein Weißwein kann auch aus roten Trauben gekeltert werden – wenn die Farbstoffe in der Schale und nicht im Fruchtfleisch sitzen. Das Ergebnis ist der bekannte Blanc de Noirs.

Qualität im Glas

Deutscher Wein ist bekannt für seine ausgesuchten Qualitätsstufen. Die einfachsten Varianten sind der Tafel- und Landwein, gefolgt vom Qualitätswein. Wird von einem Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete gesprochen, müssen die Trauben für den Wein auch aus diesen Gebieten stammen (z. B. Baden-Baden, Rheingau, Saale-Unstrut oder der Pfalz). Die in Deutschland höchsten Qualitätsstufen schlüsseln sich in verschiedene Prädikatsweine auf, zu denen unter anderem Kabinett, Spätlese und Auslese gehören.

Trockenbeerenauslese (Trauben mit sogenannter Edelfäule, ausgelöst durch den Pilz Botrytis cinerea) und Eiswein sind besondere Spezialitäten. Gerade Eiswein zeichnet sich durch eine hohe Restsüße aus, welche durch das Ausfrieren von Wasser aus der Traube bei Minusgraden entsteht. Aufgrund der aufwendigen Herstellungsprozesse sind die Produktionszahlen der hochwertigen Prädikatsweine gering.

Tipp: Wer Wein wirklich in seiner ganzen Bandbreite kennenlernen will, sollte sich die Zeit für eine Degustation (Weinverkostung) nehmen. Mit etwas Geduld und Zeit wird man erstaunt feststellen, welche unterschiedlichen Aromen Nase und Gaumen in einem Glas Wein wiederfinden können.